Hormone – Störungen & Therapie: Testosteronmangel, TRT, Hormonstörungen & Andropause
Kurz zusammengefasst
Störungen des männlichen Hormonhaushalts sind häufig und vielfältig – von genetisch bedingten Erkrankungen über erworbene Hypophysenprobleme bis zum altersbedingten Abfall des Testosteronspiegels. Das klinische Leitsyndrom ist der Hypogonadismus, also ein dauerhaft zu niedriger Testosteronspiegel mit typischen körperlichen und psychischen Beschwerden. Wenn ein echter Mangel diagnostisch gesichert ist, steht mit der Testosteronersatztherapie (TRT) eine gut etablierte Behandlungsoption zur Verfügung. Daneben gibt es eine Reihe spezifischerer Hormonstörungen – von Prolaktinom bis Klinefelter-Syndrom –, die einer eigenständigen Diagnostik und Therapie bedürfen.
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Testosteronmangel (Hypogonadismus)
Testosteron ist das zentrale männliche Sexualhormon und reguliert Muskelmasse, Knochendichte, Libido, Stimmung, Erythropoese und Spermatogenese. Ein dauerhaft erniedrigter Testosteronspiegel – als Hypogonadismus bezeichnet – kann erhebliche Auswirkungen auf Körper und Psyche haben.
Man unterscheidet primären und sekundären Hypogonadismus nach der Lokalisation der Störung. Beim primären Hypogonadismus liegt die Ursache in den Hoden selbst: Die Leydig-Zellen produzieren trotz adäquater Stimulation durch LH unzureichend Testosteron. Ursachen sind angeborene Erkrankungen wie das Klinefelter-Syndrom, Hodentraumata, Bestrahlung, entzündliche Erkrankungen wie Mumpsorchitis oder medikamentöse Schädigungen. Der sekundäre Hypogonadismus (hypogonadotroper Hypogonadismus) entsteht durch eine unzureichende Stimulation der Hoden infolge einer Störung auf Hypothalamus- oder Hypophysenebene: zu wenig GnRH oder zu wenig LH/FSH resultieren in reduzierter testikulärer Aktivität. Ursachen sind Tumoren (z. B. Prolaktinom), chronischer Stress, Adipositas, Diabetes mellitus, bestimmte Medikamente sowie Alkohol- und Substanzmissbrauch. In der Praxis liegen häufig Mischbilder vor, etwa bei älteren Männern, bei denen sowohl testikuläre als auch zentrale Faktoren beitragen.
Symptomatisch äußert sich ein Testosteronmangel durch Libidoverlust, Erektionsstörungen, Abnahme der Muskelmasse und Körperkraft, Zunahme von Bauchfett, Rückgang der Körper- und Gesichtsbehaarung, Osteoporose, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen. Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten; das klinische Bild ist häufig unspezifisch und erfordert eine systematische Abklärung.
Die Diagnose stützt sich auf die Kombination aus klinischen Beschwerden und laborchemisch erniedrigtem Testosteronspiegel im Serum. Die Blutabnahme sollte morgens zwischen 7 und 10 Uhr erfolgen, da der Testosteronspiegel seinem Tagesrhythmus folgt und morgens am höchsten ist. Neben dem Gesamttestosteron werden je nach klinischer Situation freies Testosteron, SHBG, LH, FSH, Prolaktin und weitere Parameter bestimmt. Ein allein erniedrigter Laborwert ohne passende Klinik ist keine Behandlungsindikation.
Testosteronersatztherapie (TRT)
Bei gesichertem, symptomatischem Hypogonadismus ist die Testosteronersatztherapie die Therapie der Wahl. Sie ersetzt das fehlende Testosteron exogen und führt bei den meisten Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden – Libido, Energie, Stimmung, Muskelmasse und Knochendichte bessern sich unter adäquater TRT nachweislich.
Applikationsformen sind vielfältig: Transdermale Gele oder Cremes, die täglich auf Haut aufgetragen werden, bieten konstante Spiegel bei guter Steuerbarkeit. Intramuskuläre Injektionen – kurzwirksam (Testosteron Enanthat alle zwei bis drei Wochen) oder langwirksam (Testosteron Undecanoat alle zehn bis vierzehn Wochen) – sind besonders für Patienten mit schlechter Compliance geeignet. Transdermale Pflaster und orale oder buccale Präparate sind seltener verwendete Alternativen.
Die TRT erfordert regelmäßige Überwachung: Testosteronspiegel, Hämatokrit (da Testosteron die Erythropoese stimuliert und eine Polyglobulie begünstigen kann), PSA-Wert und Prostatavolumen sowie Blutbild und Lipidprofil werden in definierten Abständen kontrolliert. Relevante Kontraindikationen sind Prostatakarzinom, Mammakarzinom beim Mann, schwere kardiale Erkrankungen und ein ausgeprägt erhöhter Hämatokrit. Bei jüngeren Männern mit Kinderwunsch ist besonders zu beachten, dass exogene Testosteronzufuhr die endogene Spermienproduktion durch negative Rückkopplung auf die Hypophyse suppressiert; in diesem Fall sind alternative Behandlungsansätze wie eine gonadotropinbasierte Stimulationstherapie vorzuziehen.
Andropause
Die Andropause – auch als Late-onset-Hypogonadismus oder Altershypogonadismus bezeichnet – beschreibt den physiologischen, altersbedingten Rückgang des Testosteronspiegels beim Mann. Anders als die weibliche Menopause, die durch einen abrupten Hormonabfall gekennzeichnet ist, verläuft der Testosteronabfall beim Mann langsam und graduell – typischerweise um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr ab dem dritten Lebensjahrzehnt. Klinisch relevante Beschwerden treten meist zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr auf, können aber individuell erheblich variieren.
Das Beschwerdebild der Andropause überschneidet sich mit dem des Hypogonadismus: nachlassende Libido und Potenz, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Abbau von Muskelmasse, Zunahme von Körperfett, Schlafstörungen und selten Hitzewallungen. Da diese Symptome unspezifisch sind und auch durch andere Erkrankungen – Depressionen, Schilddrüsenerkrankungen, metabolisches Syndrom – verursacht werden können, ist eine differenzierte Diagnostik wichtig, bevor eine TRT eingeleitet wird.
Weitere Hormonstörungen beim Mann
Neben dem Hypogonadismus gibt es eine Reihe spezifischerer Hormonstörungen, die in der Andrologie und Endokrinologie relevant sind. Das Klinefelter-Syndrom (47,XXY) ist die häufigste chromosomale Ursache des primären Hypogonadismus und geht mit Infertilität, erniedrigtem Testosteron, Gynäkomastie und teils eingeschränkter Hodenanatomie einher. Das Prolaktinom ist ein gutartiger Hypophysentumor, der durch erhöhte Prolaktinspiegel die GnRH-Sekretion hemmt und so zu einem sekundären Hypogonadismus mit Libidoverlust, Erektionsstörungen und Infertilität führt – die medikamentöse Therapie mit Dopaminagonisten ist in vielen Fällen hochwirksam. Das Kallmann-Syndrom ist eine seltene genetische Ursache des sekundären Hypogonadismus, kombiniert mit einer Anosmie (fehlendem Geruchssinn) durch Fehlmigration von GnRH-Neuronen. Das adrenogenitale Syndrom (AGS) führt durch enzymatische Defekte der Nebennierenrinde zu einer Überproduktion von Androgenpräkursoren mit vielfältigen klinischen Folgen. Hormonresistenzsyndrome – wie die partielle oder vollständige Androgeninsensitivität – entstehen durch Defekte des Androgenrezeptors und können trotz normaler oder erhöhter Androgenspiegel zu einem femininen Phänotyp führen. Anabolikamissbrauch schließlich supprimiert durch exogene Androgenzufuhr die körpereigene Testosteronproduktion über den negativen Feedback-Mechanismus und kann zu dauerhaftem Hypogonadismus, Hodenatrophie, Infertilität und Gynäkomastie führen.
Dieser Inhalt dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Er ersetzt keinesfalls eine fachliche Untersuchung oder Behandlung durch eine(n) approbierte(n) Ärztin oder Arzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Unsicherheiten konsultieren Sie bitte immer eine medizinische Fachperson – insbesondere auch bei Fragen zur Intimchirurgie oder sexuellen Gesundheit.
6 Min. Lesezeit – Aktualisiert am 1. Juli 2026
Quellen & Literatur
- 1. Bhasin, S. et al.: Testosterone therapy in men with androgen deficiency syndromes – Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2018; AES-Leitlinie)
- 2. Huhtaniemi, I.: Late-onset hypogonadism: current concepts and controversies of pathogenesis, diagnosis and treatment – Asian Journal of Andrology (2014)
- 3. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) zum Testosteronmangel
- 4. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health (aktuelle Fassung): Abschnitt zu Hypogonadismus und TRT
- 5. Corona, G. et al.: Testosterone supplementation and body composition – Journal of Endocrinological Investigation

